Der "Eine-Welt-Abend" in der Buchener Stadthalle war ein leidenschaftliches Plädoyer der Menschlichkeit
Beeindruckende Chorgesänge, zeitkritische wie gehaltvolle Poetry-Slam-Beiträge, raffinierte Menükreationen mit Fairtrade- oder Bio-Zutaten und eine charismatische Atmosphäre bot am Dienstag der „Eine-Welt-Abend“ in der Buchener Stadthalle. Getreu dem Motto „Gemeinsam für eine faire Welt“ verstand sich als Kooperation des „Vereins der Freunde des BGB“, der Eine-Welt-AG und der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Buchen – ein starkes Gemeinschaftswerk zum Thema Nachhaltigkeit, Offenheit, Toleranz und Zusammenhalt. Flankiert wurde er von einem regionalen und fairen Markt im Foyer.
Imposant geriet bereits die Begrüßung: Der BGB-Projektchor mit Dirigent Jochen Schwab stimmte das Lied „Someone To You“ an – ein Werk, dessen Text zum Nachdenken einlud: Hat nicht „jeder“ verdient, ein „Jemand“ zu sein?! Mit jenem Impuls eröffneten die Vertreterinnen der 80 Personen starken Eine-Welt-AG den Abend. „Wir sind alle hier, weil wir jemand sein wollen für Menschen, denen es schlechter geht als uns und die jemanden benötigen, der sie wahrnimmt“, betonten sie. Besonderer Dank galt neben allen Beteiligten den betreuenden Lehrerinnen Jeannette Speidel und Heike Göhrig-Müller sowie Helga Schwab-Dörzenbach (Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Buchen): Gemeinsam hatte man über mehrere Wochen auf den Abend hingearbeitet. Nun widme man den Abend allen von Unrecht und Not Betroffenen, aber auch allen, die sich aktiv dagegen auflehnen: „Wir alle können zu einer besseren, fairen Welt beitragen“, bemerkten sie. Das griff Bürgermeister Roland Burger auf: „Wir haben nur eine Welt. Sie ist unbedingt schützenswert!“, mahnte er an und ließ wissen, dass man etwa über Fairtrade-Handel dem Ideal einer gerechten Welt näher käme. Dem Burghardt-Gymnasium attestierte er, „offen für die Gedanken von Nachhaltigkeit und fairem Handel zu sein“ - ein klares Bekenntnis zum Anspruch der Fairtrade-Stadt Buchen, die ihren Titel seit Februar 2013 trägt. Das aber bringt eine Verpflichtung mit sich: „Fairtrade-Stadt zu sein bedeutet, dass dem Projekt durch neue Ideen, eine engagierte Gruppe und fortlaufende Unterstützung zu gesunder Eigendynamik verholfen werden muss“, räumte Burger ein. Umso erfreuter überreichte er die Jubiläumsurkunde zur Re-Zertifizierung Buchens als Fairtrade-Stadt an Astrid Diehm, Alexander Weinlein und Markus Dosch, Amelie Pfeiffer, Swetlana Jahraus und Mareike Schmitt, Jeannette Speidel, Heike Göhrig-Müller, Helga Schwab-Dörzenbach und Tobias Münch; verhindert war Kirsten Hartl. Damit verband der Rathauschef den Ansporn zum strikten „Weitermachen“ für den guten Zweck: „Ausruhen ist keine Option!“, so Burger. Auch MdL Peter Hauk besuchte den Abend. Der Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz hob hervor, dass auch Kinder und Jugendliche die Welt verändern können: „Toll, dass die Initiative von der jungen Generation kommt!“. Auch Alexander Weinlein („Herz statt Hetze“) bereicherte den Abend um eine packende Rede: „Geben wir kleinen Schritten eine faire Chance!“, rief er aus und animierte zum Hinterfragen eigener Lebensgewohnheiten. „Fairness fängt bei uns selbst an“, konstatierte er.
Dass fair gehandelte Produkte äußerst appetitlich angerichtet werden können und gut schmecken, bewies die „Eine-Welt-AG“ mit einem liebevoll kreierten Drei-Gänge-Menü: Während eine Quiche mit Spinat und Feta eines nachhaltig arbeitenden Milchbetriebs als Aperitif serviert wurde, fungierte die „Eine-Welt-Bowle“ mit fair gehandeltem Reis, Bio-Goji-Beeren, Sesamsauce, Radieschen, Mangos und weiteren Zutaten als genussreicher Hauptgang. Selbstgebackene Brownie-Muffins mit fairer Schokolade und Vanilleeis – die Eier stammten vom Buchener Bio-Hühnerhof Beuchert – erwiesen sich als feines Dessert.
Hochkarätig waren fraglos die Darbietungen des Chors: Alle Lieder – ganz gleich ob „Bedingungslos“, „Viva La Vida“ oder „You're The Voice“ – erwiesen sich als ansprechende Untermalung mit dem Wink zur inhaltlichen Auseinandersetzung. Die Stimmen schufen einen umwerfenden Klangkörper, der im Zusammenspiel mit eindrücklichen Bildershows umso kraftvoller durch die Stadthalle mäanderte – echte Gänsehaut-Stimmung machte sich breit. In Bestform zeigte sich auch die Tanz-AG, die quirlig über die Bühne wirbelte.
Besondere Aufmerksamkeit – die ihnen selbstredend zuteil wurde, was nicht zuletzt der jeweils reißende Beifall signalisierte – hatten gleichsam die drei Poetry-Slam-Beiträge verdient. Inhaltlich völlig verschieden, verstanden sich die Reden als Mahnmale an die Situation unserer Zeit und Aufruf dazu, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Zunächst setzte sich Clara Eiermann (10d) gekonnt mit dem „Frieden“ auseinander: Sie kam zu dem Schluss, dass Wegsehen keine Lösung sei und Unwissenheit vor Strafe nicht schütze. Ihr berührendes Statement zu mehr Menschlichkeit im Alltag beinhaltete auch das Gebot, Vielfalt nicht als Schwäche zu sehen – sondern als (Charakter-)Stärke. Gekonnt stellte sie die Schattenseiten der Konsumwelt an den Pranger, ohne den erhobenen Zeigefinger zu wetzen – große Wortkunst mit tiefsinniger Aussage! „Europa und ich“ war das Motto Alexa Grasers (Stufe 13): Das Leben könne nicht nur daraus bestehen, sitzend und wartend in die Ferne zu blicken – erst recht nicht in einem Zeitalter, in der es nicht immer friedlich, sondern mitunter harsch und trostlos zugehe. Die Menschheit habe die Notbremse zu spät gezogen, wie sie am Beispiel eines steuerlos über Berliner Gleise irrenden Zugs schilderte – und der Eine wälze die „Schuldfrage“ auf den Anderen ab. Steht der Zug vor dem sinnbildlichen Abgrund? Eine rhetorische Frage, die jeder für sich beantworten möge. Nicht minder packend erwiesen sich die von Kim Reichert (10d) verfassten und von Jule Hauk vorgetragenen Ausführungen über das „Schubladendenken“. Es sein kein Leichtes, sich selbst treu zu bleiben – alles, was man verkörpere, lade wenig tolerante Zeitgenossen zum Schubladendenken ein. Am Beispiel verschiedener Beziehungen und Freundschaften wurde ein leidenschaftliches Plädoyer für das Miteinander und Füreinander präsentiert – eben für jene Werte, die der „Eine-Welt-Abend“ auf niveauvolle wie unterhaltsame Weise in Erinnerung rief. Mit einer Verlosungsaktion sowie Informationen über den aktuellen Stand der Schulbauprojekte in Afghanistan und Ghana sowie dem neuen Projekt – dem Neubau einer Grundschule in Maramaia/Sierra Leone, für den schon 12.500 Euro zusammengetragen wurden – schloss der Abend.
Text und Bilder (1-4): Adrian Brosch (RNZ)
Bilder (5-43): Herr Matt
Ein Teil der Ausgaben, z.B. Zutaten für Speisen usw., wurde von der Stiftung „Jugend hilft“ / children for a better world gefördert.
https://www.bgbuchen.de/aktuelles/aktuelles/wegschauen-ist-keine-loesung.html#sigProIde3eede11f8




