Mitreißende Melodien, starke Solisten, andächtige Atmosphäre – und das in der voll besetzten Stadtkirche St. Oswald
Das Weihnachtskonzert des Burghardt-Gymnasiums war am Donnerstag erneut eine Klasse für sich. Mit Fug und Recht kann konstatiert werden, dass sich alle Beteiligten selbst übertroffen haben – das war feierlich, fulminant und furios.
Aber ganz von vorn: Kaum war die schiere Masse der Gäste eingetroffen – eine Garantie auf Sitzplätze bestand nicht – eröffnete Studiendirektor Achim Wawatschek den Abend. Das tat er nicht musikalisch, sondern sprachlich – indem er den 200 Mitwirkenden rund um die Musikfachschaft mit Studienrätin Corinna Meixner und die Tontechnik-AG Lob und Dank zollte. Gleichsam erinnerte er an die als „großes Gemeinschaftswerk“ anzusehende Vorbereitungsphase und daran, dass der Abend als Geschenk der Schulfamilie an ihre Freunde anzusehen sei: „Der Abend soll die Vorfreude auf Weihnachten wecken“, betonte er.
Beeindruckend war dann bereits der Auftakt des musikalischen Lichterglanzes: Perfekt eingespielt eröffnete die Big Band des BGB den Abend. Dirigiert von Corinna Meixner, erfreute das Ensemble mit Easy-Listening-Musik vom Besten: „Christmas Tree Ride“ war mit beschwingtem Latino-Flair ein meisterlicher Einstieg und das in seiner Machart etwas andere Weihnachtslied, ehe „Perdido“ Jazz und Mambo miteinander verquickte – auf den Punkt gespielt und sehr stimmungsvoll. Mit „Blinding Lights“ folgte ein weiteres äußerst lebendiges Stück, dessen strikter Rhythmus vom Miteinander der Instrumente bereichert wurde. Als Solo-Saxophonistin brillierte einmal mehr Emelie Sander.
Natürlich lebt ein Weihnachtskonzert besonders von klassische Weihnachtsweisen – die von den Streicherklassen 5a/5b/6a/gb und ehemaligen Streicherklassenteilnehmern unter Leitung von Wolf-Peter Langisch und Veronika Fenzl stilvoll dargeboten wurden: „Lasst uns froh und munter sein“ sowie „Alle Jahre wieder“ waren hübsche musikalische Winterträume in neuen Arrangements von Wolf-Peter Langisch. Für Begeisterung sorgte die sichtbare Freude der Kinder am Musizieren: Das geht mitten ins Herz – eine Körperregion, in die auch die nächsten Beiträge trafen. Alle Aufmerksamkeit ruhte hier auf Joan Park (11b) an der Violine und Joen Park (7a) am Cello sowie Sun-Young Kim am Piano, die in vollendeter Harmonie die Stücke „Noel“ und „The Many Moods Of Christmas“ spielten – Letzteres erwies sich als elegantes Quodlibet, das den Klassiker „We Wish You A Merry Christmas“ sehr gekonnt rezitierte.
Dann war eine Frage zu klären: Wie viele Facetten hat ein landläufig bekanntes Weihnachtslied? Eine definitive Antwort gab es nicht – wohl aber den Beweis für die steile These, dass eine solche Frage objektiv kaum beantwortet werden kann: Das Blasorchester des BGB unter dem Taktstock Wolf-Peter Langischs reüssierte grandios mit den Variationen von „Macht hoch die Tür“, die der BGB-Maestro selbst kreiert hatte. Allemande, Courante, Sarabande und Gigue wechselten sich ab; das aus Ostpreußen stammende Lied war stets zu erahnen und erklang doch jeweils völlig neu. Ein wahrer Genuss! Denselben gewährte dem geneigten Publikum auch das Sinfonie-Orchester: „Panis Angelicus“ des in Lüttich geborenen Komponisten César Franck gefiel als getragener Hymnus, der in einnehmender musikalischer Klarheit vorgetragen wurde. Große Gefühle setzte auch das Streichorchester frei: „Winter Wonderland“ stand für Romantik pur in äußerst gediegener Art – wer sich zurücklehnte und die Augen für einen Moment schloss, träumte unweigerlich von friedlicher weißer Weihnacht im trauten Heim, Plätzchenduft, geschmücktem Bäumchen und der Extra-Portion warmherziger Gemütlichkeit.
Gesungen wurde freilich auch: Der „Große Chor des BGB“ mit musikalischem Leiter Jochen Schwab und Alexander Lenz formierte sich im Altarbereich, um das Weihnachtskonzert um einen weiteren Glanzpunkt zu ergänzen. Die Mitwirkenden – Schüler, Eltern, Lehrer sowie einige Ehemalige aus der großen BGB-Familie – überzeugten mit „Wonders“ von Michael Patrick Kelly ebenso wie mit dem voller Inbrunst angestimmten Filmtitel „I'm Dreaming Of Home“ sowie dem zauberhaften Lied „Und dann warst du da“ mit wahrer Aussage: Keiner geht seinen Weg allein, niemand muss sich fürchten – und der Herr ist immer ein treuer Freund, auf dessen Rat nicht nur an Weihnachten gebaut werden kann. Damit einher ging der ewigwährende Wunsch nach Frieden auf Erden. Nicht zu vergessen ein weiterer „Chor“, der den Abend auf seine Weise bereicherte: Um unfreiwillige Programmlücken während der Umbauphasen zu vermeiden, setzte sich Oberstudiendirektor Jochen Schwab an die Orgel und gab mit sanftem Spiel den Ton an, während die ganze Kirche „Tochter Zion“ und „Macht hoch die Tür“ sang – so wurde das Weihnachtskonzert zum Mitmachkonzert und entfaltete noch mehr Weihnachtsfreude. Eines ist gewiss: Der Abend ging zu Herzen und bleibt dort – sicher über die Feiertage hinaus.
https://www.bgbuchen.de/aktuelles/aktuelles/weihnachtskonzert-2025.html#sigProIdfa0ee2d69d
Text: Adrian Brosch (RNZ)
Bilder: Herr Matt, Herr Müller



