Zukunftsweisendes Indoorfarming-Projekt verbindet modernste Technik und Nachhaltigkeit – Schüler lernen, forschen und ernten
Die Landwirtschaft der Zukunft könnte nicht nur auf Feldern, sondern zunehmend auch im urbanen Raum betrieben werden: Kräuter, Salat, Basilikum und weitere Pflanzen wachsen dann nicht in Beeten, sondern in Indoorfarmen, die es möglich machen, in städtischem Gebiet und auf engem Raum frische Lebensmittel anzubauen. Am Burghardt-Gymnasium (BGB) wurde am Freitag nun das Indoorfarming-Projekt der Stadt Buchen vorgestellt.
In einem Container, der sich am BGB-Parkplatz in der Nähe der Morre befindet, gibt es Raum für 940 Pflanzen, die vertikal angeordnet wachsen. Im Container wird unter Verwendung von Regenwasser ein geschlossenes Kreislaufsystem geschaffen, in dem die Salate und Kräuter ohne Erde wachsen und durch eine Nährlösung versorgt werden. Die Samenpads werden in wiederverwendbare Anzuchttöpfe gepflanzt, vertikal in die Wände eingesetzt und durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem bewässert und mit der Nährlösung versorgt. Das Regenwasser wird in einen Kreislauf eingebracht und wiederverwendet. Die Energie, die für Beleuchtung, Klima- und Lüftungsanlage gebraucht wird, kommt zum größten Teil aus der auf dem BGB-Dach installierten Photovoltaikanlage, sodass die Farm zu großen Teilen energieautark ist. Beim Betreiben der Farm entsteht zudem kein Abfall.
Am Projekt sind neben dem BGB und der Stadt Buchen als Kooperationspartner auch die Alois-Wißmann-Schule, die Zentralgewerbeschule, das Mehrgenerationenhaus, der Verband Wohneigentum und das Landwirtschaftliche Dorfmuseum Mülben beteiligt.
Die Realisierung der Indoorfarm wurde durch Leader gefördert und von der Firma PUR aus Walldürn unterstützt. Bürgermeister Roland Burger freute sich über die nachhaltige Farm und dankte Alfred Beetz als Vorsitzendem der Regionalentwicklung Badisch-Franken für die Bewilligung des Projekts. „Die Indoorfarm passt bestens zur Leader-Philosophie, die einen ihrer Schwerpunkte auf Klima- und Ressourcenschutz legt“, unterstrich Alfred Beetz.
BGB-Schulleiter Jochen Schwab stellte fest, dass „wir in krisengeschüttelten Zeiten leben“, die unter anderem von Klimawandel und Umweltzerstörung geprägt sind. „Gleichzeitig hatte die Menschheit noch nie so viel Wissen wie jetzt. Das ist eine Riesenchance“, so Schwab und bezeichnete den Container als „Labor der Zukunft“. Projekte wie diese vermittelten jungen Menschen, die bei der Arbeit in der Indoorfarm Selbstwirksamkeit erfahren, Hoffnung und Zukunftsperspektiven. Die Farm zeige, wie globale Nachhaltigkeitsziele, denen das BGB als Unesco- Projektschule besonders verpflichtet ist, lokal umgesetzt werden können. Und die Schüler profitieren übrigens natürlich auch direkt, da die Kräuter und Salate in der Cafeteria des BGB verwendet werden.
Ideengeber der Indoorfarm ist Lehrer Thomas Haas. Er erläuterte, dass der Container zudem als „Reallabor“ für die Schüler fungiere, das im Chemie- und Physikunterricht genutzt werden könne. „Es ist ein Ort, an dem man Zukunftstechnologien praktisch erforschen kann“, so Haas. Und er blickte im Anschluss auch auf den globalen Kontext: „Wenn man sich die Megacities anschaut, die entstehen werden, stellt sich die Frage, wie man solche Ballungsräume mit Lebensmitteln versorgt. Auch das sind Themen, die wir hier aufgreifen.“
Schüler, die mit der Indoorfarm arbeiten, berichteten im Anschluss über ihre Aufgaben. Neben der Pflege und der Überwachung der Anlage sind auch Biodiversität und Artenschutz zentral. So werden im Container auch Zerr-Eichen aufgezogen, die dann im Buchener Stadtwald gesetzt werden sollen. Diese Eichenart ist so selten, dass sie in Baden-Württemberg nur an zwei Standorten vorkommt. Es startet zudem eine Kooperation mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe, um in der Indoorfarm Kreuzenzian zu ziehen, auf den der bedrohte Kreuzenzian-Ameisenbläuling angewiesen ist.
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Text und Bilder: Tanja Radan (RNZ)



